25jähriges Jubiläum der Zimmergilde 2009

Bericht Südkurier vom 14.01.2009

„Männer, die Fichte hat null Elastizität“

Die Zimmerergilde Zoznegg ist beim Aufstellen des Sauldorfer Narrenbaums am Bürgerhaus in einer verzwickten Lage gewesen. Zum 25-jährigen Jubiläum der Zimmerergilde Sauldorf im Narrenverein „Durbestecher“ hatten sie mit Freude im Rahmen der Nachbarschaftshilfe das Aufstellen eines 38 Meter langen Narrenbaums übernommen. Das war für die Leute vom Fach eigentlich kein Problem. Aber weniger erfreulich war an dem Unterfangen, dass der riesige Baum bis in den Holzkern durchgefroren war.

Einen 38 Meter langen Narrenbaum stellte am Samstag die Zimmerergilde Zoznegg am Bürgerhaus in Sauldorf auf. Behutsames Vorgehen war gefragt, damit die durchgefrorene Fichte nicht splittert.
Einen 38 Meter langen Narrenbaum stellte am Samstag die Zimmerergilde Zoznegg am Bürgerhaus in Sauldorf auf. Behutsames Vorgehen war gefragt, damit die durchgefrorene Fichte nicht splittert. | Bild: Hahn

Vor drei Jahren waren die Sauldorfer den Zoznegger Narren zur Seite gestanden, bei deren Feier zum 40-jährigen Bestehen. Jetzt galt es den Gegendienst zu erweisen. Die 33 Zoznegger Zimmerer und ihr Zimmermeister Rainer Maier erledigten die Aufgabe mit großer Ruhe. Mit Kraft, aber behutsam hoben sie den Fichtenstamm in die Höhe, der sich keinen Zentimeter durchbog. Was niemand von den zahlreichen Zuschauern wusste: Beim kleinsten Rucken konnte der Baum splittern wie eine eingeworfene Glasscheibe. Das Schlimmste, was einer Gilde passieren kann – ihr Ruf wäre beschädigt. Erst recht, wenn dies unter den kritischen Augen von Kollegen passiere. Das Schauspiel des Narrenbaumsetzens ließen sich nämlich die Gilden aus Sauldorf, Meßkirch, Owingen, Mainwangen, Hoppetenzell und Zizenhausen nicht entgehen.

Vor dem Anheben der Baumspitze ging Zozneggs Rainer Maier zu seinen Mannen und schwor sie zu größter Ruhe an den „Schwalben“ ein. „Männer, die Fichte hat null Elastizität.“ Bis die erste der fünf immer größer werdenden Schwalben angesetzt werden konnte, mit ihren an der Spitze mit Seilen verknoteten Stangen, war erstmals reine Muskelkraft gefragt. Dann lag der Baum aller Narren sicher wie in Abrahams Schoß. Mit exakt geführten Worten wurde Schwalbe um Schwalbe an den Stamm gelegt, die Mannschaft unten mit den leicht angehobenen Stangen spreizte sich auseinander und gleichzeitig wurde der Baum um Einiges in die Höhe gehoben. Dabei mussten die Stangen immer im rechten Winkel vom Stamm weggehen, sonst drohte Gefahr des Abrutschens und damit Brechen des „gläsernen“ Baumes.

Bis zum höchsten Punkt, der Senkrechten, blieb der Baum kerzengerade. Kein typisches Knirschen von brechendem Holz war während der Dreiviertelstunde Schwerstarbeit zu hören. Kurz vor dem Höchststand wurde die obligatorische „Streikpause“ eingelegt, ein gut gestauchtes Fastnachtsbier machte die Runde. Ein letztes Schieben, ein paar Hammerschläge – und der wipfelgeschmückte Narrenbaum stand wie ein Fels im Loch vor dem Bürgerhaus.

Begleitet wurde das Jubiläumssetzen vom Geschell des Narrenpolizisten Benne und von Narrenliedern der Musikkapelle Sauldorf unter Leitung von Silke Abreder. Mit extra schrägen Tönen trumpfte die schrillfarbig gezeichnete Guggemusik „Andölfia“ aus Andelfingen im Zürcher Weinland auf. Das bunte Geschehen verfolgten außerdem 24 blau verkleidete Schuppen von den „Schneckenbürgler“ Frauen aus Zoznegg und Zimmerermädchen aus Sauldorf. Nach einem ersten Verschnaufen nahm Ewald Hermann, Präsident der Sauldorfer Zimmer, das Heft in die Hand. Das Podium in der Festhalle wurde zur Zimmerwiese, zum Späne treibenden Spielort mit Programm aus dem Berufsleben des Zimmerhandwerks.

Text & Bild: Falko Hahn

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